Transparenz: Die Powerstation und die Solarpanele wurden mir von ALLPOWERS kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Einschätzung im Video und in diesem Beitrag bleibt davon unabhängig.
Die ALLPOWERS R1500 Lite ist für mich eine interessante Powerstation für den Alltag: E-Bikes im Keller laden, Geräte in der Garage betreiben, Auto saugen, Solarpanele anschließen oder die Powerstation als einfache Notstromlösung verwenden.
Besonders spannend wurde sie für mich in Kombination mit meinem Balkonkraftwerk. Wenn meine Anker Solix bereits voll ist und trotzdem PV-Überschuss vorhanden ist, geht dieser Strom normalerweise ins Netz. Mit einer kleinen Home-Assistant-Automation leite ich diesen Überschuss stattdessen in die R1500 Lite.
Ausstattung der ALLPOWERS R1500 Lite
Die Powerstation bietet unter anderem:
- vier AC-Ausgänge für Schuko-Geräte
- bis zu 1600 W Ausgangsleistung
- kurzzeitig bis zu 3200 W Spitzenleistung
- zwei USB-A-Ausgänge mit bis zu 18 W
- zwei USB-C-Ausgänge mit bis zu 100 W
- einen 12-V-Zigarettenanzünder-Ausgang
- WLAN- und Bluetooth-Anbindung
- Bedienung über App
- Laden über Netzstrom, Solarpanele oder Auto-Ladeanschluss
Die Anschlüsse sind durch Silikonklappen geschützt. Das ist praktisch, damit sich nicht so leicht Staub in den Buchsen sammelt.
Bedienung und Display
Am Display sieht man die aktuelle Eingangs- und Ausgangsleistung. Die Ausgangsleistung wird allerdings kombiniert angezeigt. Man sieht also nicht getrennt, welcher Ausgang gerade wie viel verbraucht.
Zusätzlich zeigt die Powerstation den aktuellen Ladestand und eine geschätzte Restlaufzeit an. Diese Anzeige passt sich dynamisch an, sobald Verbraucher angeschlossen werden.
Für die AC-Ausgänge und USB-Ausgänge gibt es jeweils eigene Schalter. Zum Aktivieren der App-Verbindung muss der USB-Schalter etwa drei Sekunden gedrückt werden, bis Bluetooth und WLAN angezeigt werden.
Meine praktischen Anwendungsbereiche
E-Bikes im Keller laden
Einer der praktischsten Einsatzzwecke war für mich das Laden meiner E-Bikes im Keller. Zwar habe ich dort eine Steckdose, aber nicht jedes Bike hat einen einfach entnehmbaren Akku und nicht immer ist eine Steckdose dort verfügbar, wo man sie braucht.
Mit der Powerstation kann ich mehrere Akkus nacheinander oder teilweise parallel laden, ohne das Fahrrad in die Wohnung tragen zu müssen.
Auto in der Garage saugen
In meiner Garage habe ich keine Steckdose. Für das Staubsaugen des Autos war die Powerstation deshalb sehr praktisch. Genau für solche Situationen ist eine mobile Stromquelle im Alltag nützlich.
Alltagsgeräte betreiben
Viele Geräte funktionierten problemlos: Monitore, Dockingstation, Fernseher, USB-Lichter und auch ein Staubsauger.
Nicht funktioniert hat in meinem Test mein Computer. Der Grund ist sehr wahrscheinlich der Einschaltstrom. Beim Einschalten kann ein Gerät kurzzeitig deutlich mehr Leistung benötigen als im normalen Betrieb. Obwohl der spätere Verbrauch des Computers bei etwa 100 bis 200 W liegt, war der Einschaltstrom offenbar zu hoch und die Powerstation meldete einen Fehler.
Das ist kein spezieller Vorwurf an die R1500 Lite. Einschaltstrom kann auch normale Sicherungen auslösen. Mit einer Einschaltstrombegrenzung könnte es eventuell funktionieren.
Laden über Solarpanele
Mit der Powerstation habe ich auch Solarpanele mit 400 W theoretischer Spitzenleistung getestet. Die Panele haben Ösen und Karabiner und ließen sich dadurch einfach am Balkon befestigen.
Wichtig: Die getesteten faltbaren Solarpanele sind nicht unbedingt für dauerhaften Außeneinsatz gedacht. Sie bestehen teilweise aus Stoffmaterialien und sollten daher nicht dauerhaft Wind und Wetter ausgesetzt werden.
Trotz meiner nicht optimalen Nordost-Ausrichtung konnte ich an sonnigen Tagen gute Ergebnisse erreichen. Bei einem Test unterwegs konnte ich ungefähr 320 W Ladeleistung messen. Bei 400 W theoretischer Spitzenleistung sind das rund 80 % des angegebenen Werts und damit ein guter Praxiswert.
Laden und Entladen gleichzeitig / USV-Funktion
Die Powerstation kann gleichzeitig geladen und entladen werden. Sie kann daher auch als einfache USV genutzt werden.
Der Hersteller gibt eine Umschaltzeit von etwa 15 ms an. In meinem Test liefen angeschlossene Geräte weiter, als ich die Stromversorgung getrennt habe.
Für kritische IT-Systeme würde ich trotzdem weiterhin eine richtige USV bevorzugen. Für einfache Verbraucher oder als Übergangslösung ist die Funktion aber praktisch.
App: funktional, aber spartanisch
Die App funktioniert grundsätzlich, bietet aber nur wenige Funktionen.
Möglich sind unter anderem:
- Verbindung per Bluetooth ohne Cloud-Konto
- Verbindung per WLAN mit Konto und Fernzugriff
- Anzeige von Eingangs- und Ausgangsleistung
- AC-Ausgang ein- und ausschalten
- DC-Ausgang ein- und ausschalten
- Auswahl zwischen 50 Hz und 60 Hz
- Auswahl des Lade-/Arbeitsmodus
- Eco-Modus bzw. Abschaltzeit einstellen
- Firmware-Update
Der wichtigste Punkt in der App ist für mich der Arbeitsmodus, weil damit die Ladeleistung beeinflusst wird:
- Schonmodus: ca. 400 bis 450 W
- Standard-Modus: ca. 600 bis 650 W
- Schnellmodus: bis zu 1200 W
Je höher die Ladeleistung, desto lauter werden auch die Lüfter.
Was mir fehlt: Statistiken. Ich würde mir wünschen, dass die App anzeigt, wie viel Energie über Solarpanele geladen wurde, wie viel über AC verbraucht wurde und wie die Nutzung über die Zeit aussieht. Eine direkte Integration in Home Assistant gibt es leider nicht.
Überschussladen mit Home Assistant
Jetzt zum spannenden Teil: Ich wollte überschüssigen Strom aus meinem Balkonkraftwerk nicht einfach ins Netz einspeisen, sondern damit die Powerstation laden.
Die Idee:
Wenn genug Überschuss vorhanden ist, schaltet Home Assistant eine smarte Steckdose ein. Die Powerstation lädt. Wenn nicht mehr genug Überschuss vorhanden ist, wird die Steckdose wieder ausgeschaltet.
In meinem Setup nutze ich:
- Home Assistant
- Shelly Pro 3EM zur Messung von Netzbezug und Einspeisung
- Tapo P110 als smarte WLAN-Steckdose mit Verbrauchsmessung
- ALLPOWERS R1500 Lite als Powerstation
Warum eine Tapo P110 und keine einfache Steckdose?
Eine normale smarte Steckdose kann nur ein- und ausschalten. Die Tapo P110 kann zusätzlich die aktuelle Leistung messen.
Das ist wichtig, weil die Ladeleistung der Powerstation in die Berechnung einfließen muss.
Wenn die Powerstation lädt, sinkt der am Shelly sichtbare Überschuss. Ohne Korrektur würde Home Assistant die Steckdose eventuell sofort wieder ausschalten. Deshalb rechnen wir die aktuelle Ladeleistung der Powerstation wieder dazu.
Funktionsprinzip
Bei meinem Shelly gilt:
positiver Wert = Netzbezug
negativer Wert = Einspeisung / Überschuss
Beispiel ohne aktive Powerstation-Ladung:
Shelly: -400 W
Tapo: 0 W
Verfügbarer Überschuss = 0 - (-400) = 400 W
Beispiel mit aktiver Powerstation-Ladung:
Shelly: -100 W
Tapo: 300 W
Verfügbarer Überschuss = 300 - (-100) = 400 W
Die Formel lautet daher:
verfügbarer Überschuss = Tapo-Verbrauch - Shelly-Netzleistung
Schritt 1: Benötigte Entities prüfen
In Home Assistant unter:
Entwicklerwerkzeuge → Zustände
prüfen, ob folgende Entities vorhanden sind:
sensor.shellypro3em_total_active_power
sensor.p110_derzeitiger_verbrauch
switch.p110
In meinem Fall heißt die Tapo P110 noch p110, weil die Steckdose vorher anders verwendet wurde. Ihr könnt sie natürlich umbenennen.
Schritt 2: Template-Sensor für den verfügbaren Überschuss erstellen
In der configuration.yaml folgenden Sensor im vorhandenen template:-Block ergänzen:
template:
- sensor:
- name: "BKW verfuegbarer Ueberschuss"
unique_id: bkw_verfuegbarer_ueberschuss
unit_of_measurement: "W"
device_class: power
state_class: measurement
state: >
{% set netz = states('sensor.shellypro3em_total_active_power') | float(0) %}
{% set tapo = states('sensor.p110_derzeitiger_verbrauch') | float(0) %}
{{ [0, tapo - netz] | max | round(0) }}
Nach dem Speichern:
Einstellungen → System → Neustart → Konfiguration prüfen
Wenn alles gültig ist, Home Assistant neu starten oder die Template-Entitäten neu laden.
Danach sollte dieser neue Sensor vorhanden sein:
sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
Schritt 3: Automation zum Ein- und Ausschalten erstellen
In der automations.yaml folgende Automation ergänzen:
- id: 'powerstation_bkw_ueberschuss_laden'
alias: Powerstation mit BKW Überschuss laden
description: Schaltet die Tapo P110 ein, wenn genug PV-Überschuss vorhanden ist.
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
above: 300
for:
minutes: 1
id: einschalten
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
below: 250
for:
minutes: 1
id: ausschalten
conditions:
- condition: template
value_template: >
{{ states('sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss') not in ['unknown', 'unavailable', 'none'] }}
actions:
- choose:
- conditions:
- condition: trigger
id: einschalten
- condition: state
entity_id: switch.p110
state: 'off'
sequence:
- action: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.p110
- conditions:
- condition: trigger
id: ausschalten
- condition: state
entity_id: switch.p110
state: 'on'
sequence:
- action: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.p110
mode: single
Damit passiert Folgendes:
Überschuss über 300 W für 1 Minute:
→ Steckdose einschalten
Überschuss unter 250 W für 1 Minute:
→ Steckdose ausschalten
Schritt 4: Wichtig: Ladeleistung der Powerstation beachten
Wenn die Powerstation im Schnellmodus mit bis zu 1200 W lädt, reicht ein Überschuss von 300 W natürlich nicht aus. Dann würdet ihr Strom aus dem Netz beziehen.
Für diese Art von Überschussladung sollte die Powerstation am besten im niedrigen Lade-/Schonmodus betrieben werden.
Praktische Empfehlung:
Powerstation-Lademodus: Schonend
Einschalten: 300 bis 450 W, je nach gewünschtem Verhalten
Ausschalten: 250 W
Zeitverzögerung: 1 Minute
Wenn ihr wirklich möglichst keinen Netzbezug riskieren wollt, setzt die Einschaltgrenze höher als die tatsächliche Ladeleistung der Powerstation, zum Beispiel auf 450 oder 500 W.
Schritt 5: Funktion testen
Nach dem Neustart oder Reload in Home Assistant prüfen:
Entwicklerwerkzeuge → Zustände
Folgende Werte beobachten:
sensor.shellypro3em_total_active_power
sensor.p110_derzeitiger_verbrauch
sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
switch.p110
Beispiele:
Shelly: -400 W
Tapo: 0 W
BKW verfügbarer Überschuss: 400 W
→ Automation darf einschalten
Shelly: -100 W
Tapo: 300 W
BKW verfügbarer Überschuss: 400 W
→ Powerstation lädt, echter Überschuss bleibt korrekt berechnet
Shelly: +80 W
Tapo: 300 W
BKW verfügbarer Überschuss: 220 W
→ Automation schaltet nach 1 Minute aus
Schritt 6: Dashboard-Karte für Home Assistant
Optional könnt ihr euch eine kleine Lovelace-Ansicht bauen:
type: vertical-stack
cards:
- type: markdown
content: |
## ⚡ Powerstation Überschussladung
Automatisches Laden der R1500 Lite über PV-Überschuss.
- type: gauge
entity: sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
name: Verfügbarer PV-Überschuss
unit: W
min: 0
max: 1000
needle: true
severity:
red: 0
yellow: 250
green: 300
- type: tile
entity: automation.powerstation_mit_bkw_uberschuss_laden
name: Automatik Überschussladung
icon: mdi:solar-power
tap_action:
action: more-info
- type: entities
title: Status
show_header_toggle: false
entities:
- entity: sensor.bkw_verfuegbarer_ueberschuss
name: Aktueller verfügbarer Überschuss
icon: mdi:transmission-tower-export
- entity: automation.powerstation_mit_bkw_uberschuss_laden
name: Automatisierung aktiv
icon: mdi:robot
- entity: switch.p110
name: Tapo P110 / Powerstation laden
icon: mdi:power-socket-de
Falls eure Automation anders heißt, die Entity in der Dashboard-Karte entsprechend anpassen.
Fazit zur R1500 Lite
Die ALLPOWERS R1500 Lite hat in meinem Alltag gut funktioniert. Sie ist kein Luxusgerät, sondern eher eine günstige, praktische Powerstation mit solider Ausstattung.
Positiv:
- gute Ausgangsleistung
- mehrere AC- und USB-Ausgänge
- USB-C mit bis zu 100 W
- Solarladen funktioniert gut
- gleichzeitiges Laden und Entladen möglich
- als einfache USV nutzbar
- im Alltag vielseitig einsetzbar
- gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Negativ:
- Lüfter läuft beim Laden teilweise dauerhaft
- App ist eher spartanisch
- keine direkte Home-Assistant-Integration
- keine ausführlichen Statistiken in der App
- Gehäuse komplett aus Kunststoff
Für mich ist die Powerstation besonders interessant, weil ich sie mit überschüssigem Strom aus meinem Balkonkraftwerk laden kann. Dadurch wird sie nicht nur zum mobilen Akku, sondern zu einem kleinen Baustein meiner eigenen Energieoptimierung zu Hause.